Rollen

Für jede Rolle der richtige Blickwinkel auf Engineering Automation von Lino.

Leistungen

Beratung zu Produktkonfiguration, CAD-Automation und Integration

Ressourcen

Wissen, Events und Einblicke rund um digitale Industrieprozesse

Über Lino

Vision, Leading Innovation und das Versprechen für unsere Kunden

Engineering AI: Warum Kundenanfragen nicht mehr abgetippt werden müssen

Fachartikel 1 Min. Lesezeit
Kundenanforderungen automatisch erfassen

Kundenanforderungen automatisch erfassen

Die Anfrage kommt als PDF. 38 Seiten Lastenheft, dazu auf Seite 12 eine Skizze der Halle mit Maßen, die jemand von Hand eingetragen hat. Bis daraus ein Angebot mit Layout entsteht, wandert jede einzelne Anforderung viermal durch das Unternehmen: Sie wird in eine Excel-Liste abgetippt, in den Angebotskonfigurator im CRM übertragen, ins Layout gezeichnet und schließlich als Stückliste ins ERP übernommen. Viermal dieselbe Information, viermal die Gelegenheit für einen Fehler.

Ein Dokument, vier Übertragungen

Ein typischer Montagmorgen bei einem Anlagenbauer: Der Projektingenieur liest das Lastenheft, markiert die relevanten Stellen und überträgt Förderlängen, Taktzeiten und Anschlusswerte in eine Tabelle. Die Tabelle geht an den Kollegen, der den Angebotskonfigurator im CRM bedient. Er konfiguriert die einzelnen Module, und erstellt daraus ein valides Angebot, denn der Konfigurator lässt nur zu, was technisch machbar ist. Liegt eine Anforderung außerhalb des Standards, muss vor dem Angebot die Konstruktion oder der Projektingenieur ran. Anschließend baut die Konstruktion das Layout auf. Nach der Freigabe überträgt die Auftragsabwicklung die Stückliste ins ERP.

Zwei Tage später stellt die Konstruktion fest, dass die Skizze eine Durchgangsbreite von 2,40 m vorgibt, die Tabelle aber 2,04 m enthält. Die Schleife beginnt von vorn. Solche Zahlendreher entstehen nicht aus Nachlässigkeit. Sie entstehen, weil Menschen unstrukturierte Dokumente in strukturierte Systeme übersetzen müssen und dabei jede Zahl mehrfach in die Hand nehmen.

Mehr Sorgfalt löst das Problem nicht

Ein realistisches Beispiel: Ein Lastenheft enthält 40 relevante Parameter. Jeder davon wird viermal übertragen, das ergibt 160 manuelle Eingaben pro Anfrage. Selbst wenn nur jede hundertste Eingabe falsch ist, stecken in jeder Anfrage im Schnitt anderthalb falsche Werte.

Die übliche Reaktion lautet: doppelt prüfen, noch eine Freigabeschleife einziehen. Das macht den Prozess langsamer, aber nicht sicherer. Solange Ingenieure als Übersetzer zwischen PDF und Konfigurator arbeiten, bleibt der Fehler im Prozess eingebaut, und die Zeit dafür fehlt in der eigentlichen Konstruktion.

KI, die meistens recht hat, reicht nicht

Die naheliegende Idee ist ein Sprachmodell, welches das PDF liest und die Konfiguration gleich selbst erledigt. Genau hier liegt der Denkfehler vieler aktueller KI-Versprechen. Ein Sprachmodell liefert Wahrscheinlichkeiten. In der Fertigung zählt aber nicht, ob ein Ergebnis plausibel klingt, sondern ob es stimmt.

Eine Antwort, die meistens stimmt, bedeutet im Anlagenbau: eine ungültige Stückliste, eine falsche Schnittstelle, ein Compliance-Verstoß. Wer KI-Ausgaben ungeprüft übernimmt, ersetzt den Tippfehler durch einen Fehler, den niemand mehr nachvollziehen kann.

KI erfasst, Regeln entscheiden

Der sinnvolle Weg trennt beide Aufgaben. Der Lino® AI Agent liest Anfragen, Angebote und technische Unterlagen und erkennt die enthaltenen Konfigurationsparameter. Lädt ein Kunde eine Skizze als PDF hoch, erkennt der Agent auch dort die Anforderungen. Zu jedem Parameter zeigt er an, an welcher Stelle im Dokument er ihn gefunden hat. So bleibt jede seiner Entscheidungen nachvollziehbar. Fehlen Angaben, widersprechen sich Informationen im Dokument oder ist sich der Agent bei einem Parameterwert unsicher, stellt er Rückfragen, wie es ein erfahrener Vertriebsmitarbeiter tun würde.

Entscheidend ist, was danach passiert: Keine Ausgabe gelangt ungeprüft in den Konfigurator. Eine Validierungsschicht gleicht jeden Vorschlag mit dem geltenden Regelwerk ab. Regelwidrige Anfragen erkennt das System und begründet die Ablehnung nachvollziehbar. Der Konfigurator bleibt die einzige Quelle der Produktwahrheit: deterministisch, versioniert und auditierbar.

Diese Arbeitsteilung hat auch einen wirtschaftlichen Grund. Für die Ausführung bekannter Produktlogik sind Regeln rechnerisch günstig, KI-Inferenz dagegen teuer. KI lohnt sich beim Erfassen und Strukturieren. Beim Ausführen gewinnen Regeln.

Einmal erfassen, bis ins Layout nutzen

Ist die Konfiguration gültig, erzeugt der Agent auf Knopfdruck  oder per Spracheingabe 3D-Modelle, technische Datenblätter, Zeichnungen und Angebote. Über Lino® Hub fließen die Daten weiter in ERP-, PDM-, CRM- oder CPQ-Systeme. Aus vier Übertragungen wird eine einzige Erfassung, die bis in die Konfiguration der einzelnen Module und deren Anordnung im Layout durchläuft.